Institut für Fertigungstechnik
und Hochleistungslasertechnik

TU Wien
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18.05.2017 09:21 Alter: 39 Tage

Jedem zweiten Unternehmen fehlt Digitalisierungsstrategie

TU-Wien-Studie: Österreichs Lieferketten am harten Weg für Industrie 4.0


Wie weit sind Österreichs produzierende Unternehmen bei der Digitalisierung ihrer Prozesskette? Dieser Frage ging ein Team der TU Wien in seiner Studie „Supply Chain 4.0“ auf den Grund.  Die Ergebnisse der Untersuchungen zeigen, dass es vielen Betrieben an einer Sache noch besonders fehlt: dem Masterplan für Digitalisierung.

„Obwohl durchschnittlich 86 Prozent der befragten Unternehmen ihre IT-Budgets erhöht haben, hat nur etwa die Hälfte davon einen konkreten Digitalisierungsplan. Das heißt, dass viele Unternehmen scheinbar planlos in ihre IT investieren“, fassen Prof. Friedrich Bleicher, Institutsvorstand, Dr. Farhang Akhavei und Gernot Pöchgraber, Leiter der Studie am Institut für Fertigungstechnik und Hochleistungslasertechnik der TU Wien, die Ergebnisse der Studie zusammen. Daraus kann man schließen, dass im Prinzip jedem zweiten Betrieb eine gesamtheitliche Digitalisierungsstrategie fehlt. Ein weiteres Hauptproblem orten sie außerdem in der mangelnden Bereitschaft, vor allem Prozess- und Maschinendaten mit anliefernden Unternehmen zu teilen. Diese Daten stellen jedoch eine Grundlage für Ansätze wie Predictive Analytics und datenbasierte Geschäftsmodelle, und somit einer optimalen Lieferkette dar. Besonders KMU – welche in der Praxis oftmals als Zulieferbetriebe für Großunternehmen agieren – nutzen industrielle Informationssysteme (wie etwa ERPs) nur eingeschränkt oder ineffektiv: Trotz der Tatsache, dass derartige Programme schon seit 20 bis 30 Jahren existieren, verwenden beispielsweise aktuell noch 40 Prozent der an der Studie teilnehmenden Unternehmen Microsoft Excel für ihre Terminierung, Kapazitäts- und Absatzplanung. Insgesamt orten die Studienleiter dementsprechend einen relativ großen Aufholbedarf in Sachen gezieltem Investment in IT-Infrastruktur sowie Integration der Lieferanten in die Prozessketten. Obwohl das Bewusstsein für die Relevanz einer digitalen Lieferkette bei der Mehrheit der Unternehmen durchaus vorhanden ist, wurde es bis dato offenbar versäumt, die richtigen Maßnahmen dafür zu setzen. Aktuell hat die österreichische Lieferkette noch großes Potenzial in Digitalisierung.

Eckdaten zur Studie
Die Ergebnisse der Umfrage, die von Dr. Farhang Akhavei, Gernot Pöchgraber und Prof. Dr. Friedrich Bleicher (alle TU Wien) durchgeführt wurde, lieferten 40 namhafte Industrieunternehmen. Diese erwirtschaften zusammen einen Jahresumsatz von rund 50 Milliarden Euro und haben in Summe über 275 000 MitarbeiterInnen und Mitarbeiter.
Kontakt bezüglichweiteren Informationen zur Studie: akhavei@ift.at

 

Presseinformation
Wien, 18. Mai 2017